Das Glück kommt vom glücklich sein

 

Man kennt eigentlich die Studien, die immer wieder belegen: Lottogewinner, Menschen die eine Amputation benötigten und Menschen die eine Schönheitsoperation hatten, pendeln sich nach diesen extremen Ereignissen innerhalb weniger Monate auf das selbe Glücksniveau ein, das sie vorher hatten. 

Warum? Weil auch eine gerichtete Nase das möglicherweise unterliegende Gefühl von mangelnder Selbstliebe nicht auflösen kann. Weil auch viel Geld nicht dafür sorgt, dass man mehr geliebt wird. Und weil trotz Schicksalsschlägen und harten Krankheiten vielleicht ein intaktes familiäres Auffangnetz da ist.

Für viele von uns wird Glück als Ziel wahrgenommen. Etwas das wir erreichen, wenn wir genug Geld verdienen, oder nicht mehr in einem langweiligen Job ackern müssen, oder ein paar Kilos abgenommen haben, oder endlich die ersehnte Familie starten dürfen. Glück in diesem Sinn ist die „Belohnung“ für harte Arbeit und dafür muss man nunmal Elend, Not und Trübsal aushalten.

Leider ein böser Trugschluss. 

Denn wenn Glück nicht in der Gegenwart gelernt und praktiziert wird, kann es auch nicht erfahren werden. Es lässt sich nicht davon abhängig machen, irgendwelche externen Probleme zu lösen. Denn ansonsten wird ein Problem gelöst und wie es nunmal so ist, taucht das nächste schon auf. Das Leben ist eben eine Reihe von Herausforderungen, die gelöst werden wollen. Wenn wir glücklich sein möchten, sollten wir glücklich sein. Fertig. Kein „Glücklich weil oder wenn“.

Das Glück kommt vom glücklich sein.

Dabei geht es nicht darum jeden Tag weiterhin in den verhassten Job zu gehen und einfach ein Lächeln aufzusetzen und sich abzufinden. Es ist ein Umdenken nötig, um zu merken, dass die Vorstellung des Glücks als Belohnung für Jahre des Leidens trügerisch ist. 

Wenn Glück also eine Geisteshaltung ist, wenn es nicht in Folge einer Belohnung oder einer Leistung kommt, wie können wir dann unser Leben so ausrichten dass wir glücklicher leben können?

Der Philosoph Alain den Botton erklärt in seinem Buch „Trost der Philosophie“ dass das Glück von jenen Aktivitäten und Zuständen kommt, die unsere Urbedürfnisse befriedigen nach: 

  • Verbundenheit zu Menschen.

  • dem Gefühl kompetent und effektiv zu sein.

  • dem Wunsch selbstbestimmt und in Kontrolle unserer Entscheidungen zu sein.

Um ein glückliches Leben aufzubauen und zu pflegen sollten wir uns also darauf konzentrieren, innerliche Ruhe und Zufriedenheit zu finden, die Tätigkeiten ausüben in denen wir gut sind und die wir selbst wählen, sowie den Kontakt zu den Menschen um uns herum pflegen, statt externen Belohnungen hinterher zu laufen. 

Auf unseren Reisen in den letzten Jahren durften wir unheimlich viele Menschen kennenlernen, die sich aus gesellschaftlichen Konventionen herausgezogen haben und die einfach ihr Ding machen, egal was andere von ihnen denken. Menschen, die auf den ersten Blick nicht viel hatten, vielleicht auch wenig „erreicht“ - aber trotzdem bewundernswert ausgeglichen und ja, glücklich waren. Menschen, mit denen man sich wunderbar unterhalten konnte, die freundlich und interessiert waren und mit denen jeder verbrachte Tag eine aufregende Erfahrung war. Die das Leben so annehmen wie es ist und dankbar sind, Teil dieses Abenteuers zu sein. Menschen, denen Zeit und die Verbindung mit anderen Menschen wichtiger sind als finanzieller Erfolg, Schönheit oder Status.

Eine der größten Studien zum Thema Glück der Harvard Universität belegt diesen wichtigen Punkt: Der beste Indikator darüber, ob Menschen in der Zukunft glücklich (und gesund) sein würden, war die aktuell gefühlte Zufriedenheit mit den menschlichen Beziehungen in der Gegenwart. Wer bei der Umfrage sagte „ich bin glücklich mit meinen Beziehungen“ hatte auch die größte Wahrscheinlichkeit, viele Jahrzehnte später noch glücklich und gesund zu sein. Und zwar völlig unabhängig von der beruflichen oder finanziellen Situation. (Schau dir gerne den TED Talk der Studie an)

Es lohnt sich also, seinen Fokus und Lebensplanung zu öffnen und weiter zu fassen als berufliche und finanzielle Ziele. Mit welchen Menschen möchte ich Zeit verbringen? Bin ich eine gute Freundin / Partnerin? Kann man sich auf mich verlassen? Auf wen kann ich mich verlassen? Welche Art von Arbeit erfüllt mich und lässt mich Mehrwert schaffen? Was kann ich gut? Wie erlange ich Kontrolle (zurück) darüber wie und mit wem ich meine Zeit verbringe?

Einige Methoden, mit denen wir diesen Fragen auf den Grund gehen sind regelmäßige Meditation, aber auch Vision Boards (Michaela) und ausformulierte Life Stories sowie Quartalsplanungen (Nico).

Wir beschäftigen uns also häufig mit diesen Themen und vielleicht hast auch du Lust, dich damit etwas intensiver auseinander zu setzen. Es lohnt sich!

P.S: Die nächste Chance auf Austausch naht. Im Wildnis Camp (19. - 23.6.2019) und der Creativity Week 2 (13. - 20.9.2019) geht es genau um diese Motive: Verbundenheit zu anderen aufbauen. Durch Meditation, Spaziergänge und Gespräche zu sich selbst finden. In der Natur neue Kraft tanken und das Wesentliche erkennen. Den Moment genießen. Das alles macht Glück aus.