Ein Brief an mein zukünftiges Ich

 

Vielleicht wurdest du schonmal mit der Frage konfrontiert was du deinem jüngeren Ich sagen würdest, so aus der Erfahrung die du bisher mit dem Leben gemacht hast. Für mich war die Frage immer etwas seltsam, denn ich will nichts bereuen und ganz ehrlich: ich hätte eh nicht darauf gehört :-). Alle Erfahrungen waren gut und wichtig so wie sie stattgefunden haben.

Zum Jahreswechsel habe ich mir aber Gedanken darüber gemacht, was ich meinem älteren Ich denn gerne mit auf den Weg geben würden. Also was möchte ich (aus heutiger Sicht) nicht aus den Augen verlieren, auch wenn ich 50, 60 oder 70 Jahre alt bin.

Vielleicht ist diese Frage auch spannend für dich? Hier kannst du meinen persönlichen Brief an mich selbst lesen und dir vielleicht auch überlegen, was du für dich aufzählen würdest.


Brief an mein zukünftiges Ich

Liebe Michaela,

Die folgende Liste soll dir helfen, immer mal wieder zu überprüfen ob du deinen Prinzipien nach wie vor treu bist. Ich schreibe diese Liste mit 34 Jahren, ohne Kinder aber mit dem Wunsch nach einer Familie. Ich bin glücklich verheiratet. Ich weiß wer meine Freunde sind. Ich denke ich bin noch lange nicht auf dem Höhepunkt meines „kreativen Schaffens“ aber ich hab auch schon einiges erlebt und ausprobiert. Es läuft nicht alles perfekt, aber das meiste schon ganz gut. Auch wenn Vieles noch auf mich wartet, habe ich doch eine gute Vorstellung davon, was es heißt ein guter Mensch zu sein und davon, wie ich auch im Alter sein möchte. Diese Vorstellung möchte ich festhalten und dir in Form von Ratschlägen mit in die Zukunft geben.

  1. Höre nicht auf, Bücher zu lesen. Bücher sind das Tor zur Welt, zur Weiterentwicklung, zum Lernen und zur Inspiration. Der Moment in dem du aufhörst zu lesen, wirklich in der Tiefe zu lesen statt nur die News zu browsen, in dem Moment findet eine Kapitulation statt. Die Welt verändert sich schneller denn je und ja, du hast irgendwie den Anspruch nicht abgehängt zu werden. Beteilige dich an den großartigen Ideen die gedacht werden. Lies alles - Romane, Biographien, Sachbücher und dann fang wieder von vorne an. Bleib den Klassikern treu, aber entdecke auch neue Autoren.

  2. Kümmere dich um deine Freunde und Familie. Ich weiß, du bist eher der introvertierte Typ. Aber allein sein macht auch dir zu schaffen. Du weißt dass einige deiner besten Gespräche erst entstehen durften weil du deine Freunde eingeweiht hast und sie teilhaben konnten - an deinen Freuden und an deinem Schmerz. Und vergiss nicht: Man kann auch unter vielen Leuten allein sein solange man nicht offen ist. Sei eine gute Zuhörerin, sei hilfsbereit aber ohne Gegenleistung zu erwarten. Versuche, dich nicht nur mit Menschen in deiner eigenen „bubble“ zu beschäftigen. Sprich mit Menschen aus allen Generationen und sei unvoreingenommen freundlich zu Jedem der deinen Weg kreuzt.

  3. Hinterfrage alles. Eine deiner am härtesten verdienten Eigenschaften. Vergiss nicht: Auch du warst jahrelang auf dem „normalen“ Pfad ohne nach rechts und links zu schauen. Dann hast du gemerkt wie viel bunter und spannender die kleinen Umwege sein können, auf die das Leben einen mitnimmt. Behalte dir die Fähigkeit bei, erstmal skeptisch zu sein wenn „alle etwas tun“ oder „man etwas eben so macht“. Diskutiere freudig, frage nach Gründen und bleibe offen gegenüber anderen Meinungen als deiner eigenen. 

  4. Sei stolz auf dich. Egal was noch kommt, du hast schon so viel Glückliches in deinem Leben erfahren dürfen. Erinnere dich an deine aufregenden Reisen, die große Liebe zu Nico die dich bei allem begleitet und an die wunderbaren Momente in der Natur die du so liebst. Ein Sonnenaufgang in den Alpen, der Nebel über der Halong Bucht, sternenklare Nächte an einsamen Orten - all das hast du dir selbst erarbeitet und verdient. 

  5. Achte auf dich. Use it or lose it - höre nicht auf, gut zu deinem Körper zu sein. Sei viel draußen. Bewege dich. Lege Wert auf die Qualität deiner Lebensmittel. Wenn die Grundlage nicht stimmt, werden auch die oberen Punkte schwierig werden.

  6. Deine Beziehung ist dein Kompass. Auch wenn es mal schwer wird, die schönsten Erlebnisse deines Lebens hattest du zusammen mit Nico. Ihr zwei seid ein unschlagbares Team. Das einzige was euch gefährlich werden kann seid ihr selber. Also steh dir nicht selbst im Weg. 

  7. Denk dran: Alles wird gut. Wenn es mal nicht so aussieht dann schau zurück und erinnere dich an all die vermeintlichen Situationen an denen du schon feststecktest und dass trotzdem immer alles gut wurde. Vielleicht nicht auf die Art, die du dir ursprünglich gewünscht hast, aber am Ende wirst du glücklich und gestärkt sein. Vertraue auf deine eigene Geschichte.