Wann immer ich Freunden vor der Abreise ins Traveling Village erzählt habe, dass wir mit 20 Familien reisen werden, gab es großes Erstaunen.
20 Familien sind ganz schön viel. Das dachten wir auch.
Vor allem nach der Erfahrung der Camperreise mit 15 Familien direkt vor der Campertür …
Die richtige Größe
Nach gut drei Wochen habe ich aber das Gefühl: Das ist genau die richtige Gruppengröße für diese Art zu leben und zu reisen.
Denn natürlich kommen hier vor allem Individualisten zusammen. Es sind größtenteils Familien, die ihre ursprüngliche Heimat – zumindest zeitweise – hinter sich gelassen haben. Nicht nur, weil sie reisen wollen, sondern oft auch, weil sie nicht so richtig reinpassen.
Das bringt echte Charaktere zusammen. Und hier hilft die Gruppengröße enorm:
Innerhalb dieser non-konformen Menschen können sich kleinere Gruppen und Freundschaften bilden, ohne dass das Funktionieren der größeren Gemeinschaft leidet. Mit nur 5–10 Familien wäre das vermutlich deutlich schwieriger.
Ein großes Lob an die Organisatoren, die nicht nur die Gruppengröße gut gewählt haben, sondern es durch einen ausgefeilten Anmeldeprozess auch geschafft haben, diese faszinierenden Menschen zusammenzubringen.
Örtliche Nähe ist wichtig
Es fühlt sich ein bisschen wie daheim an.
Denn sowohl die Anzahl der Menschen, die man wirklich kennt, als auch die räumliche Nähe erinnern an einen kleinen bayerischen Ort.
Ständig trifft man Familien aus dem Village – im Café, im Fitnessstudio, am Strand.
Nicht nur geplant, sondern auch zufällig. Ein freundliches Hallo, ein kurzes Schwätzchen. So wie es sein soll.
Und obwohl man sich in einem fremden Land mit komplett anderer Kultur befindet, fühlt man sich irgendwie geborgen, sicher, heimisch.
Bock auf Gemeinschaft
Das Tolle ist: Die Menschen hier haben wirklich Lust auf Gemeinschaft und Austausch. Und Zeit.
Sie organisieren selbst Aktivitäten, greifen Vorschläge auf und machen mit.
Oft reicht eine kurze Nachricht in der passenden WhatsApp-Gruppe:
Spontaner Billardabend → 8 Leute kommen
Theater in zwei Tagen → 3 Familien sind dabei
Gemeinsam ins Fitnessstudio → 6 Leute pumpen zusammen
Geburtstagsfeier in drei Tagen → ca. 15 Partygäste, die sich vor drei Wochen kaum kannten
Ausflug zu Sehenswürdigkeiten um 5:30 Uhr morgens → Dann teilen wir uns halt ein Taxi
Während zuhause das Treffen von Freunden oft mit viel Orga-Aufwand verbunden ist, geschieht es hier fast wie von selbst. Wie auf Knopfdruck.
Social Burnout?
Aktuell gibt es viermal pro Woche das NEST für jeweils vier Stunden – dort sind die meisten Familien zumindest zeitweise anwesend.
Dazu ein Community Meal pro Woche, bei dem fast alle dabei sind.
Heißt: An fünf Tagen pro Woche kann man theoretisch die komplette Mannschaft treffen.
Dazu kommen Sport, Kaffee, Ausflüge, Arbeitsgruppen und spontane Treffen.
Das ist intensiv.
Sogar für mich – als ziemlich soziales Tier.
Letzten Donnerstag zum Beispiel. Da war NEST am Strand. Und ich hatte an diesem Tag einfach keinen Draht. Zu niemandem. Ich war sozial ausgelaugt. Sogar so sehr, dass ich kein Spikeball spielen wollte!
Jede*r muss hier lernen, sich auch mal zurückzunehmen, Pausen zu machen und den sozialen Akku wieder aufzuladen. Die richtige Balance finden zwischen Gemeinschaft, Alleinzeit und Familienzeit.
Das war in den ersten Wochen nicht einfach – und wird mit der Zeit vermutlich leichter.
Irgendwann kennt man die Menschen besser, weiß, welche Aktivitäten einem guttun, und muss nicht mehr überall dabei sein.
Was bringen die nächsten Wochen?
Ich bin ehrlich gespannt, wie es weitergeht.
Mein Gefühl: Die Honeymoon-Phase ist vorbei. Die erste Euphorie ist verflogen, der Alltag stellt sich langsam ein.
Kleine Gruppen haben sich gefunden, erste Freundschaften sind entstanden.
Natürlich gibt es auch erste Reibungen – wie überall. Das ist nicht schlecht, nur interessant zu beobachten.
Denn so eine Gemeinschaft ist keine fünf Monate lange Party.
Sie bedeutet auch Arbeit: Kommunikation, Rücksichtnahme und Selbstreflexion.
Und trotzdem – oder gerade deshalb – habe ich nach wie vor richtig Lust darauf.
Dieses Leben hier fühlt sich sehr lebendig an.
















