Langsames und schnelles Reisen
Fünf Wochen Hualien, zehn Tage unterwegs – und die Frage, was sich richtiger anfühlt.
Slow Traveling – das erste Mal bin ich mit diesem Begriff durch die langzeitreisenden Familien im Traveling Village in Kontakt gekommen. Gemeint ist das bewusste Entschleunigen des Reisens.
Unsere fünf Wochen in Hualien, Taiwan, haben sich definitiv nach Slow Traveling angefühlt: fünf Wochen das gleiche Bett, die gleiche Unterkunft, die gleichen Familien im Coliving.
Man kommt wirklich an. Fängt an, die Umgebung zu verstehen, besucht seine Lieblingscafés immer wieder und weiß irgendwann, welches Essen auf dem Night Market gut ist – und welches eher nicht. Die anfängliche Überforderung durch die fremde Schrift, Sprache und Kultur lässt spürbar nach.
Und da Hualien kein Ort ist, der vor touristischen Highlights überläuft, kann man sich hier gut auf die Traveling Village Community, das Coliving und kleine Projekte konzentrieren.
Aber auch fünf Wochen gehen vorbei. Und wie zuvor angedeutet: Ich war auch bereit dafür. Für die zehn Tage „Pause“.
Wir schalten einen Gang hoch
So gut Slow Traveling mit Community für uns funktioniert – wir haben auch einfach Lust auf neue Eindrücke und besondere Erfahrungen. Vor allem, wenn man schon mal in dieser Ecke der Welt ist und so viele spannende Orte vor der Nase hat.
Also nutzen wir die zehn Tage für zwei sehr unterschiedliche Ziele – mit vielen neuen Eindrücken.
First Stop: Taipei
Fünf Nächte in Taipei, der Hauptstadt von Taiwan. Ein fensterloses Airbnb – aber dafür mitten im gefühlt hipsten Viertel der Stadt.
Unser Programm:
Drei Night Markets mit diversen lokalen Köstlichkeiten (und Spielen für Matilda)
Museum & Memorial Hall zur Geschichte von Taiwans vergleichsweise junger Demokratie (inkl. ihrer teilweise dunklen Vorgeschichte)
Creative Parks mit unzähligen coolen Shops & Restaurants
Taipei 101 (das Ding, wo Alex Honnold neulich hochgeklettert ist) – von außen (Viewpoint vom Elephant Mountain) und von innen (hoch mit dem ehemals schnellsten Aufzug der Welt)
Gondel-Tour in die Teeplantagen inkl. Teeverkostung
Besuch unseres Freundes Marco (aus Hongkong) für zwei Nächte
LeoMoves Workouts im Park bei 30 Grad Hitze – unter den Blicken irritierter Einheimischer
Mein Urteil: Eine großartige Stadt mit freundlichen Leuten und einer sehr angenehmen Mischung aus lokaler Kultur und Weltoffenheit. Nur ein bisschen warm war es.
Second Stop: Miyako-jima
Hatte ich vorher auch noch nie gehört. Unsere dänischen Freunde Martin & Lilly haben uns auf diese kleine japanische Insel (Präfektur Okinawa) gebracht – und es hat sich gelohnt.
Traumhafte Sandstrände
Ein tolles Bungalow-Resort mit richtig gutem Essen und Pool
Spannendes kulinarisches Angebot (Mix aus japanisch & hawaiianisch)
Tolle Unterwasserwelt: bunte Fische und sogar Schildkröten
Deutsche Pool-Freundin für Matilda & ein ziemlich cooler Roboter an der Rezeption
Einziger Wermutstropfen: die sichtbare Verschmutzung des Meeres. Trotz regelmäßig gereinigter Strände spült die Flut immer wieder große Mengen Müll an diese eigentlich traumhaften Orte.
Reisetage sind anstrengend
Unser Gerümpel wieder zusammenpacken (und mit der Waage jedes Gepäckstück auf das richtige Gewicht optimieren), check out, Zeit bis zum Abflug rumkriegen, gefühlt fünf Sicherheitskontrollen durchlaufen (zumindest in Japan), im Flieger hocken, ankommen, auspacken, zurechtfinden.
Reisen ist anstrengend. Und auch die ersten Tage an einer neuen Location bringen ihre Herausforderungen mit sich.
Genau deswegen fühlt sich – gerade mit Kind – langsames Reisen eigentlich sinnvoll an. Man braucht dafür halt nur die Zeit.
Nächster & letzter Stopp: Südkorea
Jetzt sitzen wir am (sehr kleinen) Insel-Flughafen und warten auf den Flug nach Busan.
Dort startet das finale Drittel unseres Traveling Village – wieder 37 Tage, wieder Coliving.
Und auch wenn das Setup nach Slow Traveling klingt, habe ich meine Zweifel, dass es sich so anfühlen wird.
Die Stadt hat viel zu bieten.
Und im Village haben gerade alle richtig Lust, noch mal einiges zu erleben.




















