So, Teil 1 von 3 ist fast rum.
Heute ist unser letzter ganzer Tag mit dem Traveling Village in Hoi An, Vietnam. Danach geht’s für unsere zehntägige Pause nach Ninh Binh (Natur tanken im Norden) und Hong Kong, bevor wir dann in Hualien, Taiwan mit allen Familien in die nächste Runde starten.
(Fotos ganz unten)
Die Zeit hier war – wie nicht anders zu erwarten – intensiv. Es ist viel passiert. Im Alltag, aber auch in uns drin. Hier ein paar Dinge, die mir aufgefallen sind und die wir gelernt haben.
Sprache ist wichtig
Während manche Kinder am ersten Tag schon miteinander fangen spielen, braucht unsere Tochter mehr Anlauf – und vor allem eine sprachliche Verbindung. Ihre Geschichten sind ihr wichtig. Darüber kommt sie ins Spiel.
Mit der Zeit wächst ihr Selbstbewusstsein, Englisch zu sprechen. Und damit wird die Verbindung zu den anderen Kindern einfacher. Mittlerweile ist sie richtig angekommen – und wir erleben (mal wieder) neue Seiten an ihr.
Coliving – besser als gedacht
Ehrlich gesagt hatten wir vorher großen Respekt vor dem Coliving mit fünf anderen Familien. Und ja: Es ist manchmal intensiv. Aber die Vorteile überwiegen.
Vor allem die ständige Verfügbarkeit von Spielgefährten für die Kinder ist Gold wert. Keine Playdates, keine Anfahrt. Jetzt, nach einer gewissen Eingewöhnungsphase, spielen die Kinder in unserer Villa fast ständig miteinander.
Und für die Eltern ist das Gold wert: Mehr Raum für Austausch, gute Gespräche (mit anderen Eltern, aber auch als Paar). Man ist nicht dauernd im „Animateur-Modus“. Für uns eine völlig neue Erfahrung.
Und in so einer Community weiß man vorher nie, mit wem es dann klickt. Das gilt für Erwachsene – aber vor allem für die Kinder.
Und da passiert etwas, das ich immer wieder faszinierend finde: Auch wenn auf dem Papier (Alter, Geschlecht, Interessen) gar nicht so viel zusammenpasst, haben Kinder diese unglaubliche Fähigkeit, trotz Altersunterschieden und Sprachbarrieren ins Spiel zu kommen. Vorausgesetzt, man gibt ihnen Zeit und Raum.
Lieber Spielen als Fitness
Für mich eigentlich keine Überraschung, aber hier endlich mal wieder richtig möglich: Sportspiele machen mir einfach mehr Spaß als ins Fitnessstudio zu laufen.
Klar, Fitnessstudio ist manchmal nötig (Rücken, Stabilität, „gegen das Altern arbeiten“). Aber mit einer Gruppe sportlicher Menschen Spikeball, Basketball oder Badminton zu spielen bringt mich sofort in den Flow.
Erinnerung an mich selbst: Das muss zu Hause wieder mehr ins Leben. Nicht nur „Training“, sondern Spiel.
Ja, wir sind in Vietnam
Ich schreibe viel über die Community, weil das das Außergewöhnliche ist. Aber auch Vietnam selbst hinterlässt Eindruck.
Gastfreundschaft: Unsere Gastgeberin „Cherry“ hilft bei jeder erdenklichen Anfrage – und verwöhnt uns nebenbei noch mit Smoothies und BBQ-Abenden.
Scooter überall: Erwartbar, aber trotzdem anders als zu Hause. Ich fahre hier selbst Roller (50cc) und genieße diese Mobilität. Gleichzeitig ist der dauernde Lärm aus Hupen und Knattern irgendwann… zermürbend.
Tet: Wir haben das vietnamesische Neujahrsfest miterlebt – ungefähr Weihnachten + Silvester + Familien-Reunion in einem. Schon Wochen vorher überall Blumen, Girlanden, Tanz und Musik. Rund um Tet dann Löwen- und Drachentänze, sehr laute Partys (sehr nah an unserer Unterkunft), Feuerwerk und kleine Rituale. Das war definitiv ein authentischer Einblick in lokale Kultur.
Die zwei Seiten unserer Kaufkraft
Mit westlichem Wohlstand lebt man hier als Tourist sehr luxuriös – vor allem dank Grab (vietnamesisches Uber + Eats). Per Knopfdruck Taxi (2–3 € für 10 Minuten Fahrt) oder Essen (10–15 € für sehr gutes Essen für drei Personen).
Das ist praktisch. Aber es hat eine Schattenseite: Man muss aufpassen, dass man nicht in Verschwendung und Überkonsum rutscht. Und vor allem: welches Gefühl man den Kindern vermittelt.
Manchmal fühlt es sich an, als hätte man eine Armee von günstigen Bediensteten. Und genau dieses Gefühl will ich meiner Tochter eigentlich nicht geben.
Sehenswürdigkeiten vermeiden?
Die Instagram-Orte dieser Welt – Altstadt Hoi An, Ruinen von My Son – sind voll. Klar, es ist schön dort. Aber das Verhältnis passt oft nicht.
Es wird immer schwieriger, „abseits der Massen“ zu reisen. Und so richtig genießen kann man ein Highlight wie die alte Brücke in Hoi An nicht, wenn von hinten schon die nächste Reisegruppe schiebt.
Noch ein Grund mehr, lieber mit der Community abzuhängen als Ausflüge nach dem Instagram-Feed zu planen. Oder halt: früher aufstehen und vor den Massen dort sein.
Sightseeing?
Wir haben schon ein paar Ausflüge gemacht (mehr dazu unten) und ein paar klassische Highlights mitgenommen. Aber gemessen an den 37 Tagen hier: relativ wenig.
Zum einen, weil Michaela und ich Vietnam schon einmal intensiv bereist haben. Vor allem aber, weil wir gemerkt haben: Uns ist gerade Gemeinschaft wichtiger als Sehenswürdigkeiten.
Spielerischer Sport (bei mir), kreatives Schreiben im „Writers Club“ (bei Michaela), Spielzeit mit anderen Kindern (bei Matilda) – das fühlt sich eher nach Leben an als nach „Reiseprogramm“.
Wenn wir früher zu dritt unterwegs waren, haben wir oft mehr erkundet. Aber das fühlte sich nicht selten nach Zeit füllen an. Hier fehlt eigentlich wenig – außer manchmal Ruhe und Natur.
Zeit für einen Wechsel
Jetzt sind wir ziemlich genau fünf Wochen hier. Das war eine gute Länge. Aber jetzt wird’s Zeit für Veränderung.
Auch wenn ich die Gruppe sehr genieße: Meinem Nervensystem tut es wahrscheinlich gut, mal zwei Gänge runterzuschalten. Und ich habe Lust auf neue Impulse.
Vor allem aber lechze ich nach Natur. Wälder & Berge – das gab’s hier praktisch nicht. Und das vermissen wir definitiv.
Der nächste Ortswechsel ist auch eine Chance, Dinge anders zu machen. In Hualien möchte ich:
mehr tiefe Gespräche führen und einzelne Menschen besser kennenlernen
tanzen (da gibt’s anscheinend gute Tanzschulen)
mehr in der Natur sein und wandern
wieder mehr selbst kochen
Taiwan kennenlernen und tiefer eintauchen
Zeit zum Lesen und fokussierten Arbeiten finden
Schauen wir mal, ob das klappt …
PS: Wir waren zu Gast im Traveling Village Podcast.
PPS: Tipps für Hoi An
VinWonders (bei uns war super wenig los – hat Spaß gemacht)
Marble Mountain & die Ruinenstadt My Son (früh dort sein lohnt sich)
Teh Dar im Hoi An Lune Center (teuer, artistisch) fand ich etwas besser als die Hoi An Memories Show (pompös, leicht kitschig). Und die Rückfahrt mit dem schönen Laternenboot auf dem Fluss.
Workshops mit lokalen Künstlern (Sticken & Färben) & Tee-Zeremonie (Michaela)
Brazilian Jiu-Jitsu für Kinder
Guter Kaffee/Bowls/Hipster-Vibe: Kaymai, Nourish & Good Eats
Gute Stimmung: Roving Chillhouse (Reisfelder), Vegetable Village (Café Slow)
Strandtage u.a. in der Soul Kitchen und im Hít Hà Cafe
Lieblingsrestaurants: Missteak (Steaks + View), Pho Xua Riverside (am Wasser, günstig & schnell), Madame Hien (hochwertig vietnamesisch), Shimai (Sushi), Banh Mi Big Mom (Banh Mi Stand)













