Zwischen Dorf und Desaster
Zwei Perspektiven auf unseren Start ins Traveling Village in Vietnam
Es hat begonnen.
Heute ist Tag 4 vom Traveling Village (von insgesamt 4,5 Monaten). Wir sind in Hoi An. Und hier kommt eine (nicht ganz ernst gemeinte) Betrachtung unserer ersten Tage aus zwei etwas extremen Blickwinkeln.
A: 😵💫 Was machen wir hier eigentlich?
Wir fliegen um den halben Globus, um in dieser lauten, dreckigen Stadt abzuhängen? Überall knattern & hupen Mopeds, und an jeder Ecke stinkt es nach etwas anderem. Der Besuch in der Altstadt von Hoi An entpuppt sich als komplettes Desaster. Touristenmassen und nervige Verkäufer an jeder Ecke. Wie soll ich hier mit meinen Fotos den Eindruck vermitteln, dass wir die einzigen Besucher an diesem „magischen“ Ort sind? Und unsere Tochter ist völlig überreizt.
Und unsere Unterkunft erst. Die Räume sind muffig, die Vorhänge nicht dunkel genug, das Klopapier nur 2-lagig – und über den viel zu kalten Pool reden wir besser gar nicht. Dazu ständig rennende und schreiende Kinder. Nirgendwo hat man seine Ruhe und quasi null Privatsphäre (außer halt in dem muffigen Zimmer).
Es gibt keine richtige Küche, alles müssen wir bestellen oder essen gehen. Man wartet fast 20 (manchmal sogar 30!!!) Minuten auf die Essenslieferungen , um dann festzustellen, dass dem Kind nichts schmeckt. Und was das für die Umwelt bedeutet! Nicht nur die Lieferung jedes einzelnen Kaffees per Moped, sondern auch der ganze Verpackungsmüll, den wir produzieren. Ganz zu schweigen von der CO₂-Bilanz, die 20 Familien verursachen, wenn sie nach Vietnam (… Taiwan, Südkorea) und wieder zurück jetten.
Dazu der Stress, diese ganzen neuen Leute kennenzulernen. Es ist ja nicht so, dass wir zu Hause nicht genug Freunde hätten. Hier müssen wir mit den meisten wieder von vorne anfangen und erst diesen ganzen Kennenlern-Tanz aufführen. Mein Gott, wie anstrengend. Und der Kalender ist jetzt schon viel zu voll. Man kommt zu nix.
(hier bitte nicht aufhören, sondern weiterlesen)
B: 🌱 Das Leben, wie es sein soll
Nicht nur, dass wir mit den 6 wunderbaren Familien wiedervereint sind, die wir vom Traveling Village 2 schon kennen. Auch die anderen 12 Familien sind einfach der Hammer. Super freundlich, offen, interessant und hilfsbereit. Die beste Grundlage für ein gut funktionierendes „Dorf“ in den nächsten Monaten. Alle sind engagiert und helfen, für die Gemeinschaft tolle Erlebnisse zu kreieren.
Die Willkommensparty in einem magischen Garten am Fluss war fantastisch: gutes Essen, interessante Gespräche und viel Platz für die Kinder zum Toben.
Und es ist einfach herrlich, wieder in der Wärme zu sein. Angenehme 25 °C, bisher kein Regen, ein erfrischender Pool und ein langer Sandstrand nur 15 Minuten mit dem Fahrrad entfernt.
Unsere Unterkunft ist ein perfektes Coliving-Setup. Sechs nette Familien mit jeweils eigenen Zimmern, ein Spielraum für Kinder, ein Raum für Yoga / Workouts und ein Raum für Coworking. Und eine super freundliche Gastgeberin die scheinbar alles möglich macht. Sie versorgt uns auch jeden Morgen mit einem großartigem à-la-carte-Frühstück – gemeinsam mit den anderen Familien.
Das Essen in Vietnam ist sowieso der absolute Hammer. Per Lieferdienst (Grab) ist jedes erdenkliche Gericht zu unschlagbaren Preisen in ca. 20 Minuten bei uns. Dazu unzählige traumhafte Cafés & Restaurants in den Reisfeldern, nur einen Katzensprung entfernt.
Die Woche, die vor uns liegt, ist jetzt schon gespickt mit großartigen Aktivitäten. Im Nest (der Ort für die Kids an vier Vormittagen pro Woche) wird mit lokalen Künstlern gemalt. Für die Erwachsenen stehen Yoga, Badminton, Spikeball, Fitness-Studio-Meetups, Bodyweight-Workouts am Strand, Chinesisch-Stunden (für Taiwan) und eine Kakaozeremonie auf dem Programm. Und gestern Abend waren wir Billard spielen.
Es ist ein Traum, dieses Abenteuer gemeinsam mit dieser Gemeinschaft an besonderen Menschen erleben zu dürfen. So viele Möglichkeiten für tolle Erfahrungen und persönliches Wachstum.
Beide Perspektiven haben ihre Berechtigung. Die erste ist dabei natürlich sehr stark überzeichnet. Ich hoffe ihr konntet das Augenzwinkern darin erkennen.











